Tool-Review von „Oracle Innovation Management“: Nachlese zum WFS, ISPIM & PDMA e.V. Netzwerktreffen zum Thema “Computer Aided Innovation | computer-aided-innovation
content top

Tool-Review von „Oracle Innovation Management“: Nachlese zum WFS, ISPIM & PDMA e.V. Netzwerktreffen zum Thema “Computer Aided Innovation

Ein wichtiger Bestandteil des Netzwerktreffens zum Thema CAI war die Live-Demo des neuen CAI/IMS(Innovationsmanagementsoftware)-Tools „Oracle Innovation Management“. Bei Oracle IM handelt es sich um ein IMS-Tool, dass insbesondere die frühen Phasen des Innovationsprozesses unterstützt. Es bietet sowohl Funktionalitäten von Ideenfindung und -kategorisierung, als auch konzeptionelles Design/Anforderungsmanagement bis hin zu Portfoliomanagement. Dabei folgt es der grundsätzlichen Logik eines Stage-Gate-Prozesses.

Die Strategie von Oracle dabei ist die bestehende Produktpalette in anderen Bereichen, speziell im Bereich Product-Lifecycle-Management (PLM) in Richtung des Beginns des Produktlebenszyklus hin zu vervollständigen. Das Oracle IM ist mit Oracle Agile PLM im Standard integriert und kann auch mit anderen Systemen über Webservices integriert werden. Desweiteren kann es mit „Oracle Value Chain Solutions“ integriert werden, um die Anbindung des Innovationsprozesses in die gesamte Wertschöpfungkette zu verbessern. Damit soll eine höhere Integration des Gesamtprozesses erreicht werden. Dieses Vorgehen deckt sich mit den Analysen und Prognosen von Hüsig & Kohn (2009) sowie Kohn & Hüsig (2007), die bereits damals festgestellt haben, dass “It can be observed, for example, that PLM and ERP systems are moving into the CAI field.” (Hüsig & Kohn 2009, 557) und in Zukunft eine stärkere Integration verschiedener Prozessschritte in bestehende Lösungen sowie Erweiterungen verwandter Softwaresysteme in den Bereich CAI zu erwarten sind. Das Bedürfnis vieler Anwender nach Daten- und Prozessintegration dürfte hierbei einen Treiber für die CAI/IMS-Anbieter sowie die angrenzenden PLM/ERP-Entwickler darstellen. Trotzdem waren 2007/2009 derartige ‘‘Holistic Solutions’’ noch sehr rar – nur 4% der damaligen CAI-Tools fielen in diese Kategorie. Aus dieser Perspektive geht das neue Produkt von Oracle in die richtige Richtung und adressiert einen Aspekt im CAI-Angebot, der noch (zu) wenig angeboten wird.

Der Workflow, der laut Oracle abgedeckt werden kann, startet mit dem Ideen- und Anforderungsmanagement: „Kunden, Partner, Mitarbeiter; alle sollten Ideen in den Prozess eingeben. Danach müssen die Ideen mit dem höchsten Nutzen / Wert identifiziert werden, um eine vielversprechende Ideenpipeline zu bilden. Für die besten Ideen kann und sollte die Stimme der Kunden eingebunden, und als Anforderung in einem konsistenten Format, welches in den Konzeptdesignprozess einfließt, formuliert werden.“ Dazu zeigt Abb.1 einen entsprechenden Screenshot:

abb1

Weiter geht es dann mit dem Konzeptdesign: „Beim Konzeptdesign geht es um die Bereitstellung einer Umgebung, in dem Teams aus verschiedenen Regionen und Disziplinen gemeinschaftlich an Produkt- und Systemdesign arbeiten, das die Kundenanforderungen zu 100% erfüllt und gleichzeitig bestehende Designs einbindet. In dieser Phase können beispielsweise Simulationen entsprechend eingebunden werden.“ Dazu zeigt Abb.2 wieder einen entsprechenden Screenshot:

 

abb2

Und schließlich deckt das Produkt noch das Thema Portfoliomanagement und Roadmapping ab: „Um den Wert der Lösung zu maximieren, beinhaltet die Lösung eine umfassende Sicht auf alle Innovationsinvestments der Organisation, einschliesslich der Ideen, Konzepte, Produktvorschläge, laufende Produktentwicklungsprojekte, im Markt aktive Produkte, und “abgelaufene” Produkte. Funktionen wie „What-if Szenario Planung” ermöglichen es, schneller besser Entscheidungen hinsichtlich des besten Portfolio Mix zu treffen und die strategischen Geschäftsziele zu erreichen. Zusätzlich zum Vorliegen eines vereinbarten Produktportfolios ist es wichtig, den Fortschritt bei der Erarbeitung / Abarbeitung der Roadmap zu überwachen, um den Return on Invest sicherzustellen.“ Auch hier wieder einen entsprechenden Screenshot dazu (Abb.3):

 

abb3

Abschließend lässt sich dazu folgende Bewertung abgeben: Oracle IM hat die Welt der CAI bzw. IMS Produkte sicherlich nicht neu erfunden – aber sie dennoch mit einem soliden IMS-Tool bereichert, soweit man das von der Live-Demo und dem freundlicherweise von Oracle zur Verfügung gestelltem Material sagen kann. Gemäß unserer IMS-Kategorisierung (Hüsig & Waldmannstetter 2013) wäre es sicher der Kategorie „Multi-functional products“ zuzuordnen, eventuell sogar der höchsten „Total solutions“, wenn die Unterstützungspotenziale entsprechend hoch bewertet werden. Laut unserer letzten Studie bestünde mit 10% des IMS-Angebots bei „Total solutions“ auch noch relativ wenig Konkurrenz. Allerdings sind die bestehenden Anbieter in diesem Segment wie Sopheon, Hype oder XWS mit vergleichbaren Angeboten schon wesentlich länger am Markt. Und schließlich wäre auch nach der OpenCAI2.0-ness zu fragen (Hüsig & Kohn 2011). Es ist nur schwer erkennbar inwiefern Open Innovation- und Web2.0-Ansätze bei Oracle IM berücksichtigt worden sind. Immerhin gab es Schnittstellen zu sozialen Netzwerken wie LinkedIn. Wer auf letzteres weniger Wert legt, einen Stage-Gate-Prozess implemeniert hat und/oder bereits in der Oracle-Welt lebt, dem wird mit Oracle IM eine sinnvolle Erweiterung geboten.

Bei wem derartige Produktreviews und Kurzbeschreibungen Interesse geweckt haben, kann 45 IMS-Tools in unserem Buch nachschlagen!

1 Antwort : “Tool-Review von „Oracle Innovation Management“: Nachlese zum WFS, ISPIM & PDMA e.V. Netzwerktreffen zum Thema “Computer Aided Innovation”

  1. Ideenmanagement ist heute Teil aller guten PPM Systeme. In diesen ist Ideenmanagement im Vergleich zu spezialisierten Anbietern jedoch nur eingeschränkt möglich – auch bei Oracle. Von den genannten Anbieter für Ideenmanagement ist allerdings nur einer international konkurrenzfähig.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.