Schon seit längerer Zeit lässt sich ein Trend beobachten, der CAI immer stärker beeinflusst: Die Integration von Web2.0, Crowdsourcing und Open Innovation-Ansätzen im Bereich von CAI. Ich habe CAI-Ansätze, die diesen Trends folgen Open CAI2.0 getauft. Was verstehe ich darunter?
Während klassische CAI-Tools eher auf EDI (Employee-Driven-Innovation) und Applikationssoftware setzten und sich tendenziell entlang der Innovation-Value-Chain fortentwickeln, beziehen Open CAI2.0-Ansätze typischerweise Kunden (Customer-Driven Innovation bzw. Kundenintegration) und andere Communities (Crowdsourcing) in den Innovationsprozess ein und orientieren sich am Web2.0 und dem Open Innovation-Paradigma.
Typischerweise werden derartige Tools im FFE (Fuzzy Front End) des Innovationsprozesses eingesetzt, um firmenexterne Ideen bzw. Lösungsmöglichkeiten für gegebene Entwicklungsprobleme zu generieren. Dabei könnte man diese Methoden sowohl als Ergänzung der internen F&E oder auch als eine Form des F&E-Outsourcings verstehen. Dies wird besonders deutlich, wenn externe Firmen diesen Service und entsprechende Communities für andere Firmen anbieten wie beispielsweise das Schweizer Start-Up Atizo oder brainfloor.com aus Österreich. Ein interaktives Video zur Verdeutlichung der Atizo-Philosophie findet sich dazu auf Youtube. Auch brainfloor.com präsentieren sich und ihren Ansatz auf Ihrer Blog per Videoclip. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch ein Startup-Projekt mit Wurzeln an der Universität Zürich: Starmind.com. Wie diesem Artikel zu entnehmen ist, handelt es sich dabei jedoch nicht primär um eine auf Firmen gerichtete Ideenbörse/-plattform, sondern um einen allgemeineren Crowdsourcing-Ansatz für jederman, der eine Frage beantwortet haben möchte.
Andererseits können Open CAI2.0-Tools, die auf Web2.0-Prinzipien und Techniken aufbauen auch unternehmensintern genutzt werden – also eher dem klassischen CAI/EDI-Paradigma folgend – wie z.B. das US-Start-Up spigit. spigit, dient zur Ideengenerierung und zur Steigerung der Innovationskraft in größeren Unternehmen. Dazu wird tool-gestützt eine Art firmeninterne Social-Community installiert, die allein zum Ziel hat, Ideen vorzustellen. Dem EDI-Gedanken folgend, kann jeder Mitarbeiter seine Idee en detail beschreiben, verschiedene Medien hinzufügen, darüber diskutieren und dezidiert abstimmen lassen oder seine Idee sogar auf einem Pseudo-Aktienmarkt verkaufen. Das Verkaufen geschieht hier mit Spielgeld, was die Firmenleitung jedem Mitarbeiter zur Verfügung stellt. Von den Spielgeld kann der Ideengeber nachher verschiedene Preise erwerben. Mehr zu diesem Projekt hier.
Wie lässt sich Open CAI2.0 mit CAI1.0 verbinden? Was für Auswirkungen lassen diese Trends erwarten? Aus der CAI-Perspektive ergeben sich daraus folgende Implikationen:
- Von der konzeptionellen Seite erfährt das CAI-Verständnis eine Erweiterung hinsichtlich seiner Bedeutung über die traditionelle Firmensicht hinaus durch die Integration firmenexterner Stakeholder.
- Von der Umsetzungsseite ergeben sich neue Möglichkeiten für CAI-Tools durch die Anwendung von Web2.0-Ansätzen auch für die firmeninterne Anwendung.
- Das Wettbewerber-, Anwender- und Anbieterfeld für die traditionellen CAI-Anbieter bzw. Anwender wird um die neueren OI-Anbieter und -Tools erweitert und wiederum unübersichtlicher.
- Neue Chancen & Risiken für beide CAI-Generationen entstehen.
Daraus lässt sich die These ableiten, dass sich die zukünftige Entwicklung von CAI nicht nur “horizontal” entlang der traditionellen Innovation-Value-Chain fortentwickeln wird, sondern auch “vertikal” entlang verschiedener Stakeholder-Gruppen mittels OI/WEB2.0-Ansätzen. Es bleibt abzuwarten, ob, wann, wie und welche Anbieter den Schritt zu einer Integration beider Welten wagen werden. Für CAI1.0 und Open CAI2.0-Anbieter ergeben sich daraus neuen Chancen (Integration von Open CAI2.0 bzw. CAI1.0) aber auch Bedrohungen durch CAI-Anbieter, die ihre Tools in Richtung die jeweils andere Richtung (Open/Closed Innovation Value Chain) erweitern können. Kooperationen könnten an dieser Schnittstelle eine Möglichkeit sein beide Welten miteinander zu verbinden.
Literaturempfehlung dazu:
AWAZU, Yukika, BALOH, Peter, DESOUZA, Kevin C., WECHT, Christoph, KIM, Jeffrey Y., SANJEEV, Jha. Information-communication technologies open up innovation. Res. technol. manag., Jan./Feb. 2009, vol. 52, no. 1, str. 51-58.
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